Zukunftsfonds Schweiz

Rahmenbedingungen verbessern

Steuerlich:

Die Anregung von Hans Kaufmann anlässlich der BVG-Arena am 3. März 2014, die steuerlichen Rahmenbedingungen für Venture Capital zu verbessern, ist prüfenswert. Es sollten in einem ersten Schritt solche Hindernisse beseitigt werden, bevor neue Strukturen wie ein Zukunftsfonds aufgebaut werden.

Für Pensionskassen als Investoren:

Pensionskassen könnten bereits jetzt in Venture Capital investieren. Die Gründe sind vielschichtig, warum sich sogar risikofähige Kassen bis jetzt zurückgehalten haben. Tatsache ist, dass bei Investitionen in Alternativen Anlagen, zu denen Private Equity zählen, Ernüchterung eingetreten ist.

 

Das Deckungsgrad-Denken ist weit verbreitet. Anlagen in einen VC-Fonds müssten sogleich abgeschrieben werden, da beispielsweise beim Start eines neuen Fonds noch kein NAV bewertet werden kann. Dies kostet Deckungsgrad-Prozente. Fällt eine PK unter 100% DG, muss sie dies der Aufsichtsbehörde melden und aufzeigen, wie wieder ein DG von 100% erreicht werden kann.

Idee Deckungsgrad-Gutschrift für VC-Anlagen:

Die Pensionskasse ermittelt ihren DG für den Jahresabschluss korrekt. BVV2 sollte erlauben, dass eine PK bis zu einer Höchstgutschrift für Abschreibungen von Anlagen in VC keine Massnahmen ergreifen müsste, sofern sie unter den DG von 100% fällt. Eine solche Höchstgutschrift könnte bei 2 Prozentpunkten des DG beschränkt sein. Zusätzlich dürften nur VC-Anlagen angerechnet werden, wenn die entsprechenden Fonds oder anderweitigen Vehikel schwergewichtig in der Schweiz investiert sind, also nicht für VC-Anlagen irgendwo auf der Welt.

Beispiel 1:

Wenn eine PK einen DG von 101% hat, ihre neuen Anlagen in VC aber soweit abschreibt, dass sie auf einen DG von 99% fällt, müsste sie keine Meldung bei den Aufsichtsbehörden erstatten und Massnahmen erarbeiten. Sie müsste den Sachverhalt jedoch im Jahresbericht transparent aufzeigen und von der Revisionsstelle bestätigen lassen.

 

Beispiel 2:

Fällt der DG einer PK wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung von 104% auf 96%, muss dies die PK der Aufsichtsbehörde melden. Hat sie wegen ihren Anlagen in dafür zulässigen VC-Fonds mit Schwerpunkt Schweiz eine DG-Gutschrift von 2 Prozentpunkten zu Gute, muss sie nur aufzeigen, mit welchen Massnahmen sie wieder zu einem DG von 98% gelangt.

 

DG-Gutschrift zeitlich beschränken:

Eine DG-Gutschrift für Anlagen in VC sollte auf höchstens 10 Jahre beschränkt sein. In dieser Zeit sollte die Investition aufgrund der Entwicklung des Portefeuilles an Jungunternehmen eine Aufwertung erfahren. Entwickeln sich die Investitionen nicht wie erwünscht, so dass beispielsweise kein höherer NAV eintritt, entfällt die DG-Gutschrift. Die PK muss dann eine Meldung an die Aufsichtsbehörde erstatten, sofern sie unter einem DG von 100% liegt.

 

Natürlich sieht die Realität komplizierter aus als in diesem Schema aufgezeigt. VC-Investitionen können über Jahre aufgebaut, bzw. Kapital, für das eine PK eine Verpflichtung eingegangen ist, abgerufen werden. Abgeschriebene Investitionen können sich im Verlaufe der Zeit ebenfalls sukzessive aufwerten. Dies erschwert die Überwachung und Revision einer DG-Gutschrift. Als eine Diskussionsgrundlage soll das Schema der DG-Gutschrift hier nicht verkompliziert werden. Es muss schliesslich eine einfach handhabbare Lösung gefunden werden.

 

Vielleicht könnte ein solches Entgegenkommen des Gesetzgebers die Pensionskassen zu mehr Anlagen in VC motivieren. Ferner würde der Gesetzgeber klarstellen, dass solche Anlagen durch die PK’s volkswirtschaftlich erwünscht sind.

Einfachheit beim „Aktionsplan zum Erhalt des nationalen Wohlstands“

Hier noch einige Gedanken zum Papier der Universität Basel:

Die aufgezeigte Struktur der Universität Basel ist zu kompliziert, enthält steuerliche Fallstricke und dürfte zu viel an Gebühren verschlingen. Es besteht die Gefahr, dass ein solcher Apparat Pöstchen- und Bonusjäger anlockt.

Es sollte am Anfang mit einem einfachen, übersichtlichen und transparenten Vehikel gestartet werden, das aufgrund der Erfahrungen und ersten Erfolgsnachweise allmählich weiter entwickelt werden kann. Es darf nur in Unternehmen investiert werden, in denen die verantwortlichen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer all ihr Geld und ihre eigene Kraft investieren (auch unter Einbezug der drei F). Die Organverantwortlichen in den VC-Vehikeln und -Fonds haben ebenfalls nachweislich einen grossen Teil ihres eigenen Vermögens zu investieren. Nur durch eine Kombination von Fähigkeiten und persönlicher, existentieller Bindung besteht Gewähr, dass alles unternommen wird, um die Ventures erfolgreich aufzubauen.

Die Investitionsvehikel dürfen am Anfang nur mit einem schmalen Overhead betrieben werden. Sie sollen mit einem Netzwerk von Experten und Business Angels zusammenarbeiten, die Möglichkeiten der Schwarmintelligenz nutzen. Eine enge Begleitung der Jungunternehmen ist entscheidend.

Viel wichtiger als ein Milliarden-schwerer Fonds ist, dass ein Wettbewerb unter den Start-ups besteht, um an Finanzmittel zu kommen. Es sollen die qualitativ ausgewiesenen Vorhaben mit einigermassen abschätzbaren Marktchancen berücksichtigt werden. Die Hürde darf nicht zu niedrig sein, um an Mittel zu kommen. Sie darf auch nicht entmutigend hoch sein. Die Problematik ist: Start-up-Finanzierer erklären, es gäbe nicht genügend gute Projekte in der Schweiz. Start-up-Pioniere klagen über mangelnde finanzielle Unterstützung. Der Aufbau der neuen VC-Initiative soll deshalb umsichtig und flexibel erfolgen.

Die VC-Fonds müssen für die PK’s Ertragsziele sowie Exit-Möglichkeiten aufzeigen.

20.03.2014 - Liliane Waldner, Zürich, liliane.m.w.waldner@bluewin.ch , 044 4014475

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